Schallhaus

Das Schallhaus in Rudolstadt besitzt einen der Räume, in denen Podium und Auditorium übereinander lagen, um sie für Konzerte zu nutzen. Eigens dafür errichtete man im 17. und 18. Jahrhundert in Mitteldeutschland, meist über Kirchen oder Sälen kuppelähnliche – auch Schallsaal genannte Räume, die häufig im Dachbereich oder sogar in eigenen Aufbauten auf dem Dach angeordnet wurden. Mit den darunter liegenden Räumen waren sie durch große Schallöffnungen im Boden verbunden. Während die Musiker im oberen Raum konzertierten, hielten sich die Zuhörer im unteren auf. Vermutlich aus der älteren Praxis der raumsparenden Unterbringung der Musiker auf Emporen ent­wickelten sich zuerst umlaufende Galerien, die meist unterhalb der Raumdecke verliefen und daraus jene Räume. Neben dem gewünschten Effekt: ,,von unten ein fein Prospekt“ zu haben, musste bedingt durch die Nutzung als Podium die jeweilige Raumakustik bei der Planung berücksichtigt werden. Die wichtig­sten Gesetzmäßigkeiten der Schallausbreitung waren bekannt und z. B. durch die Schriften des Universalgelehrten Athanasius Kircher verbreitet. Interessant ist die Frage, in welchem Maß und in welcher Form auf die Anforderungen der Akustik in den verschie­denen Räumen eingegangen wurde. Am stärksten beeinflussen die Raumform sowie die Struktur und das Material der Oberflächen die Raumakustik. Da sich kaum Räume dieser Art erhalten haben, bleibt die For­schung auf schriftliche und bildliche Quellen sowie auf Vermu­tungen und Vergleiche angewiesen. Darum ist es besonders er­freulich, dass das Schallhaus auf der Heidecksburg erhalten blieb. Es hat – wenn auch mit Verlusten – die Zeiten überdauert und kann Aufschluss über die Raumakustik solcher Konzerträume geben.

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